10 Fakten zur geförderten Pflegeversicherung

veröffentlicht am 6. Juli 2013 in Aktuell, Allgemein von

Die neue „Pflege-Bahr“ ist in aller Munde und doch ist die Verunsicherung groß. Was wird gefördert? Wie wird gefördert? Worauf ist zu achten? Wir haben für Sie die 10 wichtigsten Fakten rund um die geförderte Pflegevorsorge zusammengefasst.

1. Warum ist eine Pflegezusatzversicherung überhaupt wichtig?

Ganz gleich ob im Alter oder nach einem Unfall: immer mehr Menschen brauchen irgendwann Pflege. Die Kosten dafür sind allerdings wesentlich höher, als die gesetzlichen Leistungen. Die gesetzliche Pflegeversicherung leistet nämlich je nach Pflegestufe, dennoch decken die Leistungen bei Weitem nicht die Kosten. Durch die private Pflegezusatzversicherung können diese finanziellen Lücken geschlossen werden. Seit Anfang 2013 gibt es neben den bereits seit längerem angebotenen privaten Policen und auch eine staatlich geförderte Variante, die nach dem Bundesgesundheitsminister „Pflege-Bahr“ genannt wird.
2. Wie hoch ist die staatliche Förderung?

Versicherungsverträge zur privaten Pflegeversicherung werden mit einem staatlichen Zuschuss von 5 Euro pro Monat bedacht. Dieser Zuschuss wird durch den Versicherer automatisch beantragt und der Police gutgeschrieben. Es müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Versicherung förderfähig ist. Welche dies sind, erfahren Sie unter Punkt 8.
3. Wer kann die Pflege-Bahr in Anspruch nehmen?

Eine solche Versicherung abschließen kann jeder ab dem 18. Lebensjahr, sofern er eine bestehende Versicherung in der sozialen oder privaten Pflegepflichtversicherung hat, aber daraus keine Leistungen bezieht. Eine Altersgrenze nach oben hin gibt es nicht und auch eine Gesundheitsprüfung wird bei den Pflege-Bahr-Tarifen nicht vorgenommen.
4. Wann tritt die Pflegezusatzversicherung ein?

Die private Pflegeversicherung tritt dann ein, sobald die Pflegestufe 1, Pflegestufe 2 oder Pflegestufe 3 festgestellt wurde. Neu eingeführt wurde die Pflegestufe 0, die dann in Frage kommt, wenn eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt, was beispielsweise bei Demenz oder Alzheimer der Fall ist. Auch dann kommt die private Pflegezusatzversicherung zum Tragen.
5. Für wen ist die Pflegezusatzversicherung zu empfehlen?

Grundsätzlich für alle, vor allem aber für diejenigen, die ihr eigenes Vermögen im Pflegefall schützen möchten oder deren eigen finanzielle Mittel im Pflegefall nicht ausreichend würde. Reicht z.B. die Rente nicht für die anfallenden Pflegekosten aus, müssen Ersparnisse herangezogen werden. Sind diese verbraucht oder nicht vorhanden, werden die Angehörigen (Eltern, Ehepartner, Kinder) in Regress genommen. Erst dann tritt das Sozialamt ein. Wer also seine Angehörigen für den Pflegefall finanziell schützen möchte, sollte unbedingt über die Pflegezusatzversicherung nachdenken.
6. Ist die Pflege-Bahr ausreichend für die anfallenden Pflegekosten?

Die Pflege-Bahr ist in den meisten Fällen nicht ausreichend, um die Pflegekosten für eine qualifizierte und menschenwürdige Pflege zu begleichen. Je älter der Versicherungsnehmer beim Abschluss des Vertrages ist, desto weniger leistet die Pflege-Bahr. Ab einem bestimmten Alter ist nur noch eine Mindestabsicherung von 600 Euro in Pflegestufe 3 vorgesehen. De tatsächlichen Kosten sind dann aber viel höher. Daher ist eine zusätzliche und nicht staatliche geförderte Pflegezusatzversicherung zu empfehlen, die die Leistungsform des Pflegetagegeldes beinhaltet. Dieses wird unabhängig von der tatsächlichen Verwendung gezahlt und es müssen keine Kostennachweise erbracht werden.
7. Was wenn eine Pflegebedürftigkeit bereits abzusehen ist?

Sollte aufgrund einer chronischen Krankheit bereits beim Vertragsabschluss davon auszugehen sein, dass früher oder später eine Pflegebedürftigkeit besteht, kann dennoch ein Versicherungsvertrag abgeschlossen werden. Versicherer dürfen Sie weder aus gesundheitlichen Gründen, noch wegen Ihres Alters ablehnen und sie dürfen auch keine Risikozuschläge erheben oder Leistungen ausschließen. Das ist besonders für Personen mit Vorerkrankungen ein entscheidender Vorteil. Eine Pflege-Bahr kann nur dann nicht mehr abgeschlossen werden, wenn der Versicherungsnehmer bereits in eine der Pflegestufen eingruppiert wurde. WICHTIG: es gibt allerdings vom Gesetzgeber eine Wartezeit von fünf Jahren nach dem Abschluss des Versicherungsvertrags, bevor Leistungen aus der Pflege-Bahr in Anspruch genommen werden können. Diese Wartefrist entfällt, wenn die Pflegebedürftigkeit durch einen Unfall hervorgerufen wurde.
8. Wie findet man den passenden Versicherungstarif?

Um die staatliche Förderung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Eigenbeitrag von mindestens 10 Euro pro Monat in den Versicherungsvertrag eingezahlt werden. Zusätzlich muss die Police eine Mindestabsicherung von 600 Euro monatlich in Pflegestufe III vorsehen. Förderfähige Verträge beinhalteten in den Pflegestufen O und I mindestens 20 Prozent der vereinbarten Leistung für die Pflegestufe III und in Pflegestufe II mindestens 40 Prozent.
9. Was wenn die Beiträge zur Pflege-Bahr nicht mehr gezahlt werden können?

Durch Arbeitslosigkeit kann es schnell passieren, dass der Eigenanteil für die Pflege-Bahr nicht mehr gezahlt werden kann. Wer hilfebedürftig im Sinne des Hartz-IV-Gesetzes wird, der kann seinen Vertrag ruhend stellen lassen, was für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren möglich ist. In dieser Zeit müssen keine Beiträge gezahlt werden, allerdings ist dann auch kein Leistungsanspruch im Pflegefall gegeben.
10. Können die Tarife gewechselt werden?

Es ist ohne Weiteres möglich, in den Pflege-Bahr-Tarif eines anderen Versicherers einzutreten. Die bereits erreichten Wartezeiten werden dann aber ggf. nicht angerechnet. Ohne Weiteres kann auch der Versicherungsnehmer einen höheren Eigenanteil als 10 Euro zahlen. Wer bereits eine Pflegezusatzversicherung hat, die im Grundsatz den Bedingungen zur Förderfähigkeit entsprechen, aber weniger als 10 Euro monatlich eingezahlt werden, kann den Eigenanteil erhöhen, um so die Förderung in Anspruch zu nehmen.

Wir hoffen, wir konnten die wichtigsten Fakten und Fragen rund um die staatlich geförderte Pflegeversicherung beantworten und damit ein bisschen Licht ins Dunkel der Versicherungswelt bringen.
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